Wochenende 04.09. - 06.09.2009

Freitagmorgen um 9 zum Busbahnhof und den Bus nach Guatapé genommen. 2 Stunden Fahrt durch grüne Hügel und Täler. Guatapé liegt knapp 80 Kilometer östlich von Medellín auf fast 200 Meter Höhe an einem Stausee und ist ein beliebtes Wochenendausflugsziel unter Kolumbianern. Kurz vor der Ankunft hat’s dann noch gekracht, weil ein Laster am stehenden Bus vorbei fahren wollte und dabei die Breite der Straße unterschätzt hat... Also die letzten paar hundert Meter zu Fuß weiter. Bei meiner Ankunft hab ich übrigens den ersten Gringo (Bezeichnung für weiße Europäer oder Amerikaner) seit meiner Ankunft in Kolumbien gesehen. Mein Hotel war in einem alten Haus im Kolonialstil, da Zimmer war sauber und gemütlich. Als erstes gleich ins Bad und die Dusche ausprobiert. Juhu, warmes Wasser, das erste seit 2 Wochen! Danach Mittagessen am Seeufer. Hab eine Bandeja de Paisa bestellt, ein für die Region typisches Essen. Paisa ist der Ausdruck für die Bewohner der Provinz Antioquia. Und ein Paisa mag’s deftig. So gab es einen riesigen Teller mit Reis, Spiegelei, Arepa (Mais-Tortilla), Bohnen, Chicharón (kross gebratene Schweinescharte), Chorizo (Bratwurst), Hackfleisch, Avocado und Salat. Das Ganze für 3 Euro. Danach mit einer Motochiva (Dreiradähnliches Gefährt für 3 Personen) zur Hauptattraktion von Guatapé, der Piedra de El Peñol. Das ist ein riesiger Felsbrocken den die Eiszeit hier hinterlassen hat. Sieht aus wie ein überdimensionaler Hinkelstein von 200 Metern Höhe. Von oben hatte man eine großartige Aussicht auf die umliegende Seenlandschaft. Zurück in Guatapé hab ich mir dann den Ort angeschaut. Guatapé ist ein schläfriges Nest dessen Häuser im für Antioquia typischen Stil erbaut sind. Kleine, bunte, mit verschiedenen Verzierungen bemalte Häuser in allen erdenklichen Farben und mit den typischen Holzfenstern mit Schnitzereien. Schön ist auch der Hauptplatz mit der Kirche im Kolonialstil. Danach hab ich mich mit einem Bier an den See gesetzt und den Sonnenuntergang angeschaut. Dafür reicht auch ein 0,33er Bier, denn der dauert hier ja nur wenige Minuten. Am Abend noch ein Gläschen Rum auf dem Balkon und dem Treiben auf der Straße zugesehen. Guatapé is ein nettes Städtchen in einer schönen Landschaft, aber ansonsten gibt es nicht viel zu besichtigen. Deshalb beschloss ich am nächsten Tag nach Santa Fé de Antioquia aufzubrechen.

Samstag

Am nächsten Morgen dann endlich die ersehnte heiße Dusche. Aber nix da, am Morgen war das Wasser natürlich kalt. Dann noch ein deftiges Paisafrühstück mit Bohnen, rühtri, Brot, Arepa und Käse und danach den nächsten Bus nach Medellín genommen. Auf der Fahrt stieg dann wieder einer der nervigen Verkäufer ein, dass passiert hier ca. alle 20 Minuten. Und die verkaufen hier die tollsten Dinge, von denen wir in Europa nur träumen können. Schnecken gegen Arthritis, Marienstatuen die vor Krebs schützen, Wurzeln gegen Impotenz. Heute im Angebot: Algenmasken gegen Schweinegrippe! Das hätte mal der Staatspräsident nehmen sollen, der hat sich nämlich vor kurzem infiziert. Angekommen in Medellín gleich in den Bus nach Santa Fé, 2 Stunden nordwestlich. Santa Fé ist die älteste Stadt Antioquias und war früher die Provinzhauptstadt. Als die Regierung 1826 nach Medellín gezogen ist, ist hier die Zeit stehen geblieben. Und den Eindruck hat man bei der Ankunft auch. Die koloniale Struktur und Architektur ist fast vollständig erhalten und man sieht überall Menschen mit auf Pferden mit den traditionellen Paisa-Hüten, Ponchos und Schnautzer. Wären die vielen Motorroller und Wochenendausflügler nicht, würde man sich hier wie 150 Jahre zurückversetzt fühlen. Nach der Ankunft erst mal wie immer vor den Taxifahrern flüchten, die einen in ihr Auto drängen wollen. Ankunft im Hotel, sehr einfaches aber sauberes Zimmer, Wasser natürlich nur kalt. Die Erfindung des Boilers scheint sich noch nicht nach Kolumbien durchgerungen zu haben. Allerdings braucht man in Santa Fé auch kein warmes Wasser. Im Vergleich zu Medellín (1500 m) tausend Meter niedriger auf 550 Metern gelegen, beträgt die Temperatur hier das ganze Jahr über zwischen 29° und 35°. Dazu kommt noch die drückende Luftfeuchtigkeit, sodass man sich nicht mal bewegen muss um zu schwitzen. Danach erst mal Essen gegangen, einen riesigen Hamburger. McDonald’s und Co. haben es übrigens auch noch nicht nach Kolumbien geschafft und das ist auch gut so. Beim Essen Fußball geschaut, WM-Quali gegen den Erzrivalen Ecuador. Langweiliges Spiel, dann in den letzten 10 Minuten 2 Tore für Kolumbien und die Hölle war los in Santa Fé. Anschließend die Stadt angeschaut und dabei mit Juan Pablo ins Gespräch gekommen. Woher ich komme, was ich hier mache, etc., kam mir etwas suspekt vor. Dann mir ein Heft von den Zeugen Jehovas in die Hand gedrückt, gut, damit kann ich leben. Nach der Verabschiedung dann gleich der Check, Geld, Kamera, Handy, alles noch da. War also doch nur ein netter Kerl. Das ist hier übrigens voll oft so, dass einen Fremde grüßen oder auf der Straße ansprechen und man denkt immer dass da was dahinter steckt, aber bisher war noch nie etwas, die sind hier einfach unglaublich aufgeschlossen und freundlich und freuen sich, dass ein Gringo ihr Land besucht.

Am Abend dann noch auf ein Bier ins Kneipenviertel, aber das war eher ein Flopp, da man sich hier auf dem Land befindet und hier abends die Dorfjugend trifft. Sowohl war ich sowohl altersmäßig als auch kulturell etwas fehl am Platz.

Sonntag

Am nächsten Morgen dann mit einer der auch hier verkehrenden Motochivas zur Puente de Occidente, 5 km von Santa Fé. Das ist eine fast 300 Meter lange Hängebrücke über den Río Cauca, den zweitgrößten Fluss Kolumbiens. Mit einem Alter von 114 Jahren ist sie außerdem eine der ältesten Hängebrücken Amerikas. Die Brücke dann zu Fuß überquert und die großartige Landschaft bestaunt. Nassgeschwitzt auf der anderen Seite angekommen hat mich dort mein Fahrer erwartet. Zurück über die Dschungelstrecke nach Santa Fé, Sachen aus dem Hotel geholt und zurück nach Medellín. Dort noch ein paar Einkäufe erledigt (Ladenschlusszeiten gibt es hier nicht, so dass die meisten Geschäfte bis 22 oder 23 Uhr auf haben und einige auch Sonntags) und dann per Metro und Minitaxi zurück nach La Estrella.

8.9.09 02:23

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